Aus der Geschichte des 1. Karnevalsvereins CC-AS von 1981 e.V. Leipzig

Man schrieb das Jahr 1981. Wie schon so viele Jahre zuvor, war auch diesmal der 11.11. in Leipzig-Grünau spurlos vorüber gegangen. In Leipzig existierte bereits der Connewitzer Carnevals Club. Aber im Neubaugebiet Leipzig-Grünau, in der seinerzeit schon weit über 50.000 Menschen lebten, war an Karneval nicht zu denken. Doch halt, nicht zu denken stimmt nicht ganz, denn in der Gaststätte "Alte Salzstraße" diskutierte eine Stammtischrunde über Karneval und fasste den grandiosen Entschluss, einen Carnevalsclub ins Leben zu rufen. So wurde dann, ohne viel zu überlegen, am 07. Dezember 1981 der CCAS gegründet.
Aller Anfang ist schwer, das war auch beim CCAS der Fall, es mussten viele Freunde und Bekannte angesprochen und für eine Mitarbeit gewonnen werden. Mancher griff sich an den Kopf, andere lächelten mitleidig, denn Karneval hier in Sachsen erschien vielen etwa wie der Eifelturm in Leipzig.
Trotz aller Unkenrufe und Schwierigkeiten gelang es dem Club, bereits im Februar 1982 die ersten Veranstaltungen zu organisieren. Es wurde viel improvisiert, aber dem Publikum gefielen die ersten Anfänge und es feierte mit dem CCAS. In den Folgejahren kamen zahlreiche neue Freunde zum Club, eine solide Karnevalsbasis begann sich zu entwickeln.
Im Jahr 1984/85 gestaltete der CCAS sein erstes themenbezogenes Programm, unter dem Motto "A. & V. in Grünau" wurden Probleme der damaligen Zeit auf die Schippe genommen.
Mitte der 80er Jahre wurde in der DDR vom stabilen Gesellschaftssystem gesprochen, das aber schon damals, zwar offiziell nicht zugegeben, seine zahlreichen Problemchen und Wehwehchen hatte. Die Eröffnung der Delikat-Geschäfte, in denen es für "Nichtdevisen-besitzer" auch diesen oder jenen Artikel "aus dem Westen" gab, war Anlass für den CCAS ein Programm unter dem Motto "Wir werden immer delikater" zu gestalten. Damit gelang es dem CCAS auch gesellschaftspolitische Dinge beim Namen zu nennen. Es folgten zahlreiche erfolgreiche Programme die im damaligen Stammhaus, der "Alten Salzstraße" (von dem übrigens auch der Name des Clubs abgeleitet wurde) in jeder Karnevalssaison mehrmals aufgeführt worden. Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl der Gäste, denn es hatte sich längst herum gesprochen, dass es beim CCAS einen tollen Karneval zu erleben gibt.
Im Wendejahr 1989 brannte am 11.11. förmlich die Luft, denn hier riskierte der CCAS erstmals mehr als erlaubt, doch die Grenze war offen und damit änderte sich schlagartig alles.
Aber die neue Zeit brachte für den CCAS, der nunmehr im Vereinsregister unter dem Namen "1. Karnevalsverein CC-AS von 1981 e.V." Leipzig eingetragen wurde, nicht nur Positives. Die "Alte Salzstraße" stand nicht mehr als Spielstätte zur Verfügung, der Verein suchte nach neuen Räumen, feierte im Jugendklubhaus "Völkerfreundschaft" und fand dann aber nach langem Suchen ein neues Zuhause vor den Toren der Stadt in den Rosensälen Miltitz.
Unmittelbar, nachdem die Grenze gefallen war, fuhr ein Sonderzug von Leipzig in die Partnerstadt Hannover. Hier fuhren auch einige Mitglieder des CC-AS mit und nahmen Kontakt zur Karnevalsgesellschaft "Blau-Weiß-Linden" Hannover auf. Es entstand ein freundschaftlicher Kontakt, beide Vereine konnten voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.
Über den Kontakt zu Hannover konnte der Verein freundschaftliche Verbindungen zum deutsch-amerikanischen Bürgerverein in Kansas-City herstellen. Hier entwickelte sich eine freundschaftliche und herzliche Verbindung.
Im Mittelpunkt der Arbeit des CC-AS stand jedoch auch weiterhin die Vorbereitung und Durchführung von niveauvollen Karnevalsveranstaltungen. Mit besonders viel Engagement, Fleiß und Ehrgeiz trainierte die Garde- und Showtanzgruppe des CC-AS. So gelang es den Mädchen bei Tanzshows und Meisterschaften zahlreiche vordere Plätze zu belegen, Meistertitel und Pokale mit nach Hause zu bringen. Auch bei einer Karnevalssendung des MDR waren sie dabei. Noch heute imponieren und begeistern die Showtanzgruppen vor allem durch ihre Ausstrahlung in immer wieder neuen, tollen und imposanten Choreografien und Tänzen.
Wahre Triumphe feierte das Männerballett mit den unterschiedlichsten Tänzen, sei es der Tanz "Ich bin die fesche Lola" oder auch die "Putzfusseln", um nur zwei der zahlreichen Erfolgstänze des Männerballetts zu nennen. Auch heute gehört das Männerballett zu jedem Programm des CC-AS einfach dazu und sorgt für Spaß und Frohsinn.
Über viele Jahre gehörten die "Salzstraßensänger" in jedes Programm des CC-AS. Für jede neue Saison wurde, passend zum Motto, ein neues Lied geschrieben und komponiert. Wohl kaum ein anderer Verein der Region kann auf derartig viele eigene Karnevalslieder- und Stimmungslieder verweisen. Die Salzstraßensänger waren im MDR-Fernsehen und im ZDF zu sehen und sind auch noch heute in der närrischen Zeit im Rundfunk zu hören. Im Jahr 2000 entstand eine CD mit einer kleinen Auswahl ihrer Lieder. Der Gesang, aber auch die gute Tradition, dass es jährlich ein neues Mottolied gibt und die Pflege des Liedgutes, sind auch heute, obwohl die "Salzstraßensänger" nicht mehr auftreten, Bestandteil der Vereinsarbeit.
Auch das gesprochene Wort gehört in den verschiedensten Fassetten zum festen Bestandteil aller Programme des CC-AS. Neben der traditionellen Büttenrede, der sich der Vereinspräsident jedes Jahr in einer neuen, zum Motto passenden Figur widmet, gehören verschiedene Sketche in ein jedes Programm. Eine wahre Kultfigur entstand in den 80er Jahren, als aus dem Vereinsmitglied Horst Bauer ein kleiner Junge, das "Mürbchen" wurde, jeder Stammgast kannte ihn und wusste, wenn er auf die Bühne kommt, dann bleibt kein Auge trocken. Veränderungen sind wichtig und bringen frischen Wind - so kam eines Tages nicht mehr "Mürbchen" sondern dessen Tante, die "Erna" auf die Bühne. Geblieben ist dabei aber unendlich viel Spaß, viele herzerfrischende und zündende Witze, mit denen Horst Bauer - jetzt in der Figur als "Erna" den Saal zum lachen bringt.
In den Miltitzer Rosensälen, (Miltitz gehört übrigens durch die Eingemeindung jetzt nach Leipzig) fand der Verein ein richtiges "Zuhause". Es entwickelte sich eine gute Zu-sammenarbeit mit dem Inhaber, die auch eine der Grundlagen einer erfolgreichen Vereinsarbeit darstellt.
Von besonderer Bedeutung ist die Arbeit all derer, die niemals im Scheinwerferlicht stehen, seien es Mitglieder die an der Ton- oder Lichttechnik arbeiten, die an Kulissen und Bühnenbildern basteln und bauen, die Kostüme nähen oder als Maskenbildner tätig sind, die den Saal dekorieren, oder auch die verschiedensten Verwaltungsarbeiten realisieren. An dieser Stelle sei gesagt, ohne all diese Mitglieder wäre die erfolgreiche Entwicklung des
CC-AS niemals möglich.
Das Wichtigste, was sich die Mitglieder des CC-AS auf die Fahne geschrieben haben, bleibt dabei jedoch immer: Karneval zu feiern ist eine der schönsten Dinge der Welt, denn hier gelingt es immer wieder, den Gästen abwechslungsreiche Stunden bei Frohsinn und Humor zu bringen, die die Sorgen und Probleme des Alltags für einige Stunden vergessen lassen. Karneval heißt dabei aber auch, wir wollen gesellschaftskritisch sein und mit unseren Mitteln und Möglichkeiten auf Probleme aufmerksam machen.
Getreu dem alten Motto aller Karnevalisten wird auch der CC-AS weiterhin aus Spaß an der Freud´ für sein Publikum da sein.
R.I. 03/10